Weihnachtliches Lob der Warenwelt

Allgegenwärtig ist die Klage über die Kommerzialisierung der Weihnachtszeit. »Schrecklich, wie kommerziell es zu Weihnachten zugeht!«, rief am 19. Dezember 2019 ein Radiomoderator in WDR 3 aus. »Da genügt schon ein Blick auf die Wunschzettel der Kinder: Sie wollen ein Eifon 13 und Gutschilatschen und ein Bättmänset von Kego.« Als Alternative propagierte er im nächsten Satz ein Weihnachtsritual, bei dem die Kinder mit hölzernen Kegeln, Würfeln und Kreiseln beglückt werden.

Früher? War mehr Lametta

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Die Widersprüche der Digitalisierungskritiker

Walter van Rossum moderierte im Herbst 2019 eine Sendung der WDR-Reihe »Gutenbergs Welt« über »digitale Ideale«. Schon gleich am Anfang behauptete er, dass es „früher“ noch einen Glauben an den Fortschritt gegeben habe, „heute aber“, wenn es ums Digitale gehe, nur Leerformeln gedroschen würden vom Anschluss, den wir nicht verlieren dürften usw. Offenbar konnte er sich keine utopischen Ziele vorstellen, die mit digitalen Techniken gelöst werden könnten. „Die Wonnen des sich selbst befüllenden Kühlschranks oder die Verheißungen des autonomen Fahrens reißen zwar niemanden vom Hocker, werden aber als Bedingungen unseres Überlebens verkauft.“ Massive Probleme der Digitalisierung würden verschwiegen. Nämlich dass bis zu 50 % der Arbeitsplätze wegrationalisiert werden könnten.

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Wer ist schuld am Billigfleisch?

Der Lemgoer Umweltschützer Willi Hennebrüder antwortete im Februar 2019 in einem Interview zum Tierwohl-Label auf die Frage: Dies würde aber den Preis für Fleisch erheblich erhöhen?
„Da sind wir beim entscheidenden Punkt. So lange Verbraucher Fleisch für sich selbst, aber auch für die lieben Hunde und Katzen möglichst billig einkaufen wollen, sind die Tierhalter als schwächstes Glied in der Kette gezwungen, sich dem Preiskampf zu stellen. Ein Tierwohllabel wird an dieser Situation kaum etwas ändern.“
Das ist die falsche Frontstellung, meines Erachtens. Es ist unlogisch, den Verbrauchern vorzuwerfen, dass sie auf niedrige Preise achten, und allen anderen Wirtschaftsakteuren nicht. Wer ist schuld am Billigfleisch? weiterlesen

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War Macrons Vorstoß zum Regenwald kolonialistisch? Nein, wenn…

…ähnliche Vorstöße auch umgekehrt möglich sind, von Lateinamerika nach Europa. Emmanuel Macron hatte zum brennenden brasilianischen Regenwald spontan gesagt: „Unser Haus brennt!“ Er hat als französischer Staatspräsident ein Wir benutzt, das die ganze Menschheit umfasst; ein Appell, den wir sonst vor allem von internationalen Umwelt­organisationen kennen. Sein brasilianischer Widersacher Jair Bolsonaro empörte sich wie einst Erich Honecker über eine „Einmischung in innere Angelegen­heiten Brasiliens“. Vielleicht zurecht?

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Der umgedrehte Hobbes: Jäger und Sammler waren nicht kriegerisch, sondern solidarisch

Der immer noch häufig zitierte britische Philosoph Thomas Hobbes behauptete 1651 in seinem staatstheorethischen Werk »Leviathan«, die Menschen im Naturzustand hätten einen Krieg aller gegen alle (bellum omnium contra omnes) geführt. Diese These warf eigentlich immer schon die Frage auf, wie die Menschheit diesen lebensgefährlichen Zustand über Zehntausende von Jahren hinweg überlebt haben soll. Dass an Hobbes‘ Theorie und Basta-Dogma nichts dran ist, zeigen neuere Erkenntnisse von Anthropologen und Genetikern, die Carel van Schaik und Kai Michel 2016 zusammentrugen.

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Ist Heimat eine faschistische Idee? Nee.

Thomas Ebermann und Thorsten Mense traten im Mai 2019 im Jugendzentrum FlaFla in Herford auf mit ihrem kabarettistisch-kommunistischen Programm „Heimat – eine Besichtigung des Grauens“. Ebermanns Buch zum Thema heißt „Linke Heimatliebe. Eine Entwurzelung“. Ein bisschen Kritik.

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Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt? Wer ist »Wir«?

Dieses Duckmäuserdogma findet sich zum Beispiel in einer Rede des CDU-Politikers Friedrich Merz im November 2009 und in einer Rede der Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag 2008. In meiner Kritik im Buch habe ich vor allem den manipulativen Gebrauch des Personalpronomens »Wir« kritisiert:

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Vergebung ist heilsam. Ja, aber nur dann, wenn der Täter…

Am Karfreitag 2019 brachte der WDR in der Reihe »Lebenszeichen« einen Beitrag von Christoph Fleischmann: »Über den Umgang der Kirche mit Schuld | Vergebung oder Gerechtigkeit?« Es ging um den sexuellen Missbrauch in katholischen Internaten usw. und den Umgang mit Opfern und Tätern dieser Verbrechen. Zum ersten Mal wurde dort problematisiert, wie stark katholische Geistliche darauf aus sind, dass die Opfer den Tätern ihre Tat vergeben. Doch diese Zumutung leidet an einem großen Denkfehler. Vergebung ist heilsam. Ja, aber nur dann, wenn der Täter… weiterlesen

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Warum es links ist, Kohle und Stahl zu verabschieden

Essen machen: Wer am 1. Mai 2019 arbeitete
Wer am 1. Mai 2019 arbeitete

Auf der DGB-Kundgebung zum 1. Mai 2019 in Bielefeld sprach der Aachener Christdemokrat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, wobei er sich gegen eine große Menge Störer durchsetzen musste. Laschet fühlte sich bemüßigt, zur Forderung der Klimaschützer nach Ausstieg aus der Kohle Stellung zu nehmen. Mehrfach forderte er uns Zuhörer auf, die Interessen der Arbeiter von Stahl-, Aluminium-, Chemie- und Autoindustrie zu beachten. Angesichts unserer roten Fahnen betonte er, es sei nicht links, deren Arbeitsplätze zu gefährden.

Doch, es ist links, ein Stahl- oder Aluminiumwerk für den Klimaschutz zu schließen. Als alter Aachener widerspreche ich Ihnen, Herr Laschet. Warum es links ist, Kohle und Stahl zu verabschieden weiterlesen

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„Die Politik hat versagt“? Falscher Sprachgebrauch

Mit Politik war bis ins frühe 21. Jahrhundert in der Regel ein Tätigkeits- und Interessengebiet der Menschen gemeint. Politik war etwas, das man macht; genauer: etwas, das in einer Demokratie sogar jeder von uns machen kann. „Politik machen“ hieß: sich um Angelegenheiten des Staates, der Gesellschaft, des öffentlichen Zusammenlebens der Menschen kümmern; sich informieren, sich eine Meinung bilden, diese Meinung öffentlich äußern, mitdiskutieren, Vereine bilden, demonstrieren, abstimmen, wählen, kandidieren. Um 2005 änderte sich die Bedeutung des Wortes Politik. „Die Politik hat versagt“? Falscher Sprachgebrauch weiterlesen

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