„Die Grünen streben eine Ökodiktatur an.“ Wer soll das glauben?

Oder, eine Nummer kleiner: „Die Ökos wollen uns bevormunden“ oder „Die Grünen sind eine Verbotspartei“. Letzteres behauptete Focus.de zuletzt am 24.10.2019. Als Beweis schlechthin für diese steile These gilt seit dem Sommerloch 2013 der ominöse „Veggieday“, den ein CDU-Politiker, die Frankfurter Allgemeine und die Bild-Zeitung damals im Wahlprogramm der Grünen als Forderung entdeckten. Um ein Signal gegen den enormen Fleischkonsum der Deutschen zu setzen, sollten öffentliche Kantinen nach dem damaligen Willen der Grünen Bundesdelegierten nur vegetarische Gerichte anbieten. Journalisten und politische Gegner fertigten daraus den Popanz eines Versuchs, allen Deutschen vorzuschreiben, was sie zu essen hätten.

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Der Mythos einer Weltregierung – zerlegt in acht Sätzen

Von Jens Jürgen Korff

  1. Der Mythos einer freimaurerischen Verschwörung, die nach Belieben in der ganzen Welt Revolutionen und Kriege anzettelt und Diktaturen errichtet, ist seit 1797 (Augustin Barruel) in der Welt. Seit 223 Jahren steht die totale Weltherrschaft einer geheimen Organisation angeblich unmittelbar bevor, tritt jedoch niemals ein.
  2. Um 8 Milliarden Menschen zu kontrollieren, müsste eine Weltregierung aus vielen Millionen Menschen bestehen, könnte also weder geheim bleiben noch jemals einheitlich sein. Auch große kommunistische und faschistische Parteien waren niemals geheim und niemals einheitlich.
  3. Die historische Praxis der Diktaturen hat gezeigt, dass wirksame Unterdrückung von Millionen Menschen stets mit der Isolierung eines einzelnen Landes nach außen verbunden war: so bei Hitlerdeutschland, so bei Stalins Sowjetunion, so bei Maos Rotchina. Diktatur und Weltherrschaft schließen einander in der Praxis aus.
  4. Der jahrzehntelange Streit um Lösungen für globale Probleme wie Kriege, Klimaschutz, Armut und Seuchen zeigt, wie weit entfernt internationale Organisationen vom Hauch einer Herrschaft sind. Das liegt unter anderem daran, dass militärische Gewalt und das Steuerrecht nach wie vor von über 200 nationalen Regierungen und Parlamenten bestimmt werden.
  5. Aktuelle Versionen der Theorie einer »Neuen Weltordnung« (Jebsen, Viganò u.a.) entlarven sich selbst als Würfelspiele, weil sie Einzelaspekte von Themen, die sehr weit auseinander liegen – Herrschaftspraktiken chinesischer Kommunisten, schnell gestrickte Weltrettungspläne einzelner Reicher, langatmige Programme gemeinnütziger Organisationen -, willkürlich zusammenführen, nur damit sie in ein 220 Jahre altes Denkmodell passen.

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Fünf Thesen zu #Thüringen

Das hysterische Geschrei um die Ereignisse in Thüringen überschritt im Februar 2020 sämtliche Lärmschutz-Grenzwerte. Geht das Ganze auch eine Nummer bedächtiger? Ich versuch’s mal mit fünf Klarstellungen, die mir wichtig erscheinen.

  1. Kemmerich ist kein Faschist, sondern ein Liberaler. Seine Wahl ist keine Machtergreifung. Er trachtet niemandem nach dem Leben.
  2. Höcke ist zwar ein Faschist, aber die AfD als Ganzes ist keine faschistische Partei, sondern eine nationalkonservative.
  3. Nationalkonservativ zu sein wie die AfD ist schlimm genug. Alle Nazivergleiche sind falsch, weil sie die Naziverbrechen verharmlosen. Die AfD ist vielmehr mit der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) zu vergleichen.
  4. Der Landtag wurde so gewählt, wie er ist. Das haben wir als Demokraten zu respektieren. Die Wähler haben gesprochen.
  5. Eine Auflösung des Landtags wäre eine Dummheit, weil bei Neuwahlen die AfD wahrscheinlich noch stärker wird. Das bitte aus Weimar lernen!
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War Macrons Vorstoß zum Regenwald kolonialistisch? Nein, wenn…

…ähnliche Vorstöße auch umgekehrt möglich sind, von Lateinamerika nach Europa. Emmanuel Macron hatte zum brennenden brasilianischen Regenwald spontan gesagt: „Unser Haus brennt!“ Er hat als französischer Staatspräsident ein Wir benutzt, das die ganze Menschheit umfasst; ein Appell, den wir sonst vor allem von internationalen Umwelt­organisationen kennen. Sein brasilianischer Widersacher Jair Bolsonaro empörte sich wie einst Erich Honecker über eine „Einmischung in innere Angelegen­heiten Brasiliens“. Vielleicht zurecht?

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„Die Politik hat versagt“? Falscher Sprachgebrauch

Mit Politik war bis ins frühe 21. Jahrhundert in der Regel ein Tätigkeits- und Interessengebiet der Menschen gemeint. Politik war etwas, das man macht; genauer: etwas, das in einer Demokratie sogar jeder von uns machen kann. „Politik machen“ hieß: sich um Angelegenheiten des Staates, der Gesellschaft, des öffentlichen Zusammenlebens der Menschen kümmern; sich informieren, sich eine Meinung bilden, diese Meinung öffentlich äußern, mitdiskutieren, Vereine bilden, demonstrieren, abstimmen, wählen, kandidieren. Um 2005 änderte sich die Bedeutung des Wortes Politik. „Die Politik hat versagt“? Falscher Sprachgebrauch weiterlesen

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Spengler, Spengler über alles!

Der hessische Germanist Albrecht Betz (seit 1985 Professor in Aachen) schrieb 2012 einen kritischen Essay über Oswald Spengler und seinen begriffsbildenden Klassiker »Der Untergang des Abendlandes« als Beispiel für Endzeit-Szenarien.  Obwohl er Dutzende völlig aberwitziger und grauenhafter Gedanken Spenglers ausführlich zitiert und exzerpiert, also viel nützliches Material für eine Spengler-Kritik angehäuft hat, raffte sich Betz zu keinerlei inhaltlicher Kritik auf und zitiert auch keine Kritik eines anderen. Die hanebüchenen Widersprüche in Spenglers nationalkonservativer Ideologie ließ Betz unkommentiert stehen. Ich hake ein wenig nach. Spengler, Spengler über alles! weiterlesen

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Finde die Wahrheit über Barschel, Diana, Möllemann und Haider

Uwe Barschel wurde ermordet.“ Prinzessin Diana, Jürgen Möllemann und Jörg Haider natürlich auch. Oder: „Die wahren Hintergründe der Ereignisse sind geheim, und alle ‚offiziellen Versionen‘ sind gelogen.“ Gegen nervige Verschwörungstheorien dieser Art hilft eine mittelalterliche Waffe – nämlich Ockhams Rasiermesser. (Dieser Artikel beruht auf einem Kapitel in meinem Buch.)
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AfD-Mitglieder aus Fußballvereinen ausschließen? Besser nicht.

„Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ (Dogma)

Die Kampfparole der deutschen Antifa-Szene hat die Form eines Basta-Dogmas. Sie diente 2017/18 dazu, Parteitage der nationalkonservativen Partei AfD zu blockieren. Einen merkwürdigen Höhepunkt erlebte sie Anfang 2018 in dem Streit um den Fußballverein Eintracht Frankfurt. Der Vereinsmanager Peter Fischer hatte gefordert, alle AfD-Mitglieder pauschal aus dem Verein auszuschließen, mit dem Hinweis auf einen Satzungsartikel, der rassistisches Verhalten als vereinsschädigend einstuft. Als er dafür angegriffen wurde, traten ihm organisierte Antifaschisten zur Seite und begründeten das u. a. mit dem hier untersuchten Dogma. Ich widerspreche mit zwei Einwänden. AfD-Mitglieder aus Fußballvereinen ausschließen? Besser nicht. weiterlesen

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Welchen Sinn die Randale in Hamburg hatte – und welche Konsequenzen wir, die pazifistischen Linken, daraus ziehen müssen.

Katja Kipping und andere Linke beklagten sich über die »sinnentleerte Gewalt in Hamburg«. Einige der militanten „Linksradikalen“, die dort den Bürgerkrieg geprobt haben, waren militärisch so gut organisiert, dass die Polizei keine Chance hatte, sie zu stoppen. Details darüber bringt die Reportage »Der Mob« in der »Zeit« vom 15.7.2017. Zugleich ist festzustellen, dass die Botschaften der friedlichen Demonstranten zum G20 in den Medien und sogar in den Diskussionen, die „wir Linken“ jetzt führen, praktisch untergegangen sind. Es ist an der Zeit, an dieser Stelle 1 und 1 zusammenzuzählen: Genau das war offenbar der Sinn der Attacken auf Altona und das Schanzenviertel. Welchen Sinn die Randale in Hamburg hatte – und welche Konsequenzen wir, die pazifistischen Linken, daraus ziehen müssen. weiterlesen

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Haben die Linken versagt? Steht eine Revolution vor der Tür, und wir haben’s nicht gemerkt?

Nils Markwardt fragte im August 2016 im »Freitag«: »Wo bleibt der Stolz? Wenn die Linken die „kleinen Leute“ noch erreichen wollen, müssen sie ihre Sprache ändern« (Nr. 32, 11.8.2016). Unter Berufung auf Didier Eribons Buch »Rückkehr nach Reims« und Daniele Gigliolis Buch »Die Opferfalle« führt er aus, dass Rechtspopulisten und Faschisten (Donald Trump, Front National, AfD) den Linken vor allem in der klassischen Arbeiterklasse, bei den Industriearbeitern, den Rang ablaufen, weil sie ihnen positive Identifikationsangebote machen, das „völkische Phantasma“, und dabei an ein traditionelles Klassenbewusstsein anknüpfen, das die Linken längst aufgegeben haben. Allerdings sehe ich die potenziell revolutionäre Klasse woanders als Markwardt und Eribon. Haben die Linken versagt? Steht eine Revolution vor der Tür, und wir haben’s nicht gemerkt? weiterlesen

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