Der umgedrehte Hobbes: Jäger und Sammler waren nicht kriegerisch, sondern solidarisch

Der immer noch häufig zitierte britische Philosoph Thomas Hobbes behauptete 1651 in seinem staatstheorethischen Werk »Leviathan«, die Menschen im Naturzustand hätten einen Krieg aller gegen alle (bellum omnium contra omnes) geführt. Diese These warf eigentlich immer schon die Frage auf, wie die Menschheit diesen lebensgefährlichen Zustand über Zehntausende von Jahren hinweg überlebt haben soll. Dass an Hobbes‘ Theorie und Basta-Dogma nichts dran ist, zeigen neuere Erkenntnisse von Anthropologen und Genetikern, die Carel van Schaik und Kai Michel 2016 zusammentrugen.

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„Die Politik hat versagt“? Falscher Sprachgebrauch

Mit Politik war bis ins frühe 21. Jahrhundert in der Regel ein Tätigkeits- und Interessengebiet der Menschen gemeint. Politik war etwas, das man macht; genauer: etwas, das in einer Demokratie sogar jeder von uns machen kann. „Politik machen“ hieß: sich um Angelegenheiten des Staates, der Gesellschaft, des öffentlichen Zusammenlebens der Menschen kümmern; sich informieren, sich eine Meinung bilden, diese Meinung öffentlich äußern, mitdiskutieren, Vereine bilden, demonstrieren, abstimmen, wählen, kandidieren. Um 2005 änderte sich die Bedeutung des Wortes Politik. „Die Politik hat versagt“? Falscher Sprachgebrauch weiterlesen

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„Der politische Islam strebt nach der Weltherrschaft.“ Na dann viel Glück!

Die arabisch-schweizerische Politologin Elham Manea antwortete in einem Interview mit dem konservativen deutschen Magazin »Cicero« (5.4.2018) auf die Frage, warum das islamische Kopftuch, der Hijab, ein Problem sei, das Kopftuch von orthodoxen Jüdinnen aber nicht: »Weil der politische Islam im Gegensatz zum orthodoxen Judentum oder zu christlichen Sekten eine Ideologie ist, die nach weltweiter Macht strebt… Die Kontrolle über die Frau ist … eine der Hauptstrategien des Islamismus in seinem globalen Dominanzanspruch. Das dürfen wir nicht vergessen.« Das ist ein Basta-Dogma, wie üblich ohne weitere Belege vorgetragen. Ich widerspreche also, wie ich es schon 2015 in meinem Buch getan habe. Hier mehr zu anderen Thesen Maneas.
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„Islamisten zielen immer zuerst auf die Frauen ab.“ Glaube ich nicht.

Fortsetzung der Kopftuchdebatte mit Birgit Ebel und Carolin Meyer. Das Interview der konservativen Zeitschrift »Cicero« mit der arabisch-schweizerischen Politologin und Demokratin Elham Manea (5.4.2018) ist sehr tiefgründig, sehr differenziert und ein intellektueller Genuss. Zum Beispiel ist Manea eine der wenigen Islamkritikerinnen, die offen erwägt, welche unterschiedlichen persönlichen Motive Kopftuch­trägerinnen haben können; die diese Frauen also nicht als Marionetten einer geheimen Armeeführung abstempelt. Doch auch sie will uns hier und da mal ein Dogma unterjubeln, das seinerseits der Kritik bedarf. „Islamisten zielen immer zuerst auf die Frauen ab.“ Glaube ich nicht. weiterlesen

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„Das Kopftuch ist ein Mittelfinger.“ Mag sein. Piercings aber auch.

In der von Birgit Ebel angezettelten Kopftuchdebatte wurde auf eine ziemlich indiskutable Tirade von Anabel Schunke in der konservativen Postille »Tichys Einblick« (15.4.2016) verwiesen. Schon der Titel enthält eine schlichte negative Meinungsthese (»Das Kopftuch ist nicht bloß ein Stück Stoff«), die nicht einen Beleg dafür anführt, wer die gegenteilige Meinung überhaupt vertreten hat. Im gleichen Stil geht es durch den ganzen Artikel weiter, ein Basta-Dogma nach dem anderen: »Der Islam sexualisiert den Alltag der Gläubigen und das mehr als jede Werbung mit halbnackten Frauen. Frauen können nichts zur Ehre einer muslimischen Familie beitragen. Sie können sie nur beschmutzen.« Lauter steile Thesen, die ohne Belege wertlos bleiben. „Das Kopftuch ist ein Mittelfinger.“ Mag sein. Piercings aber auch. weiterlesen

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„Das Kopftuch erzeugt eine Geschlechter-Apartheid.“ Wirklich?

Von Birgit Ebel und Carolin Meyer habe ich mich in eine Kopftuchdebatte verwickeln lassen. Dabei hat mir Carolin verschiedene Artikel empfohlen, darunter ein Interview des Deutschlandfunks mit der aus Jugoslawien stammenden Aktivistin Zana Ramadani (7.4.2017).  Birgits Ausgangsfrage, entnommen dem Spiegel, war: Kann eine Feministin Kopftuch tragen? Ich hatte mit Ja geantwortet. Der Fall Ramadani lädt zur Replik ein: Kann eine Feministin CDU-Mitglied sein? Jaa – wohl auch das. Ob ich mein erstes Ja aufrecht erhalten kann, steht allerdings in Frage. „Das Kopftuch erzeugt eine Geschlechter-Apartheid.“ Wirklich? weiterlesen

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Finde die Wahrheit über Barschel, Diana, Möllemann und Haider

Uwe Barschel wurde ermordet.“ Prinzessin Diana, Jürgen Möllemann und Jörg Haider natürlich auch. Oder: „Die wahren Hintergründe der Ereignisse sind geheim, und alle ‚offiziellen Versionen‘ sind gelogen.“ Gegen nervige Verschwörungstheorien dieser Art hilft eine mittelalterliche Waffe – nämlich Ockhams Rasiermesser. (Dieser Artikel beruht auf einem Kapitel in meinem Buch.)
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AfD-Mitglieder aus Fußballvereinen ausschließen? Besser nicht.

„Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ (Dogma)

Die Kampfparole der deutschen Antifa-Szene hat die Form eines Basta-Dogmas. Sie diente 2017/18 dazu, Parteitage der nationalkonservativen Partei AfD zu blockieren. Einen merkwürdigen Höhepunkt erlebte sie Anfang 2018 in dem Streit um den Fußballverein Eintracht Frankfurt. Der Vereinsmanager Peter Fischer hatte gefordert, alle AfD-Mitglieder pauschal aus dem Verein auszuschließen, mit dem Hinweis auf einen Satzungsartikel, der rassistisches Verhalten als vereinsschädigend einstuft. Als er dafür angegriffen wurde, traten ihm organisierte Antifaschisten zur Seite und begründeten das u. a. mit dem hier untersuchten Dogma. Ich widerspreche mit zwei Einwänden. AfD-Mitglieder aus Fußballvereinen ausschließen? Besser nicht. weiterlesen

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Ist Trump ein Faschist, ein Demagoge oder ein Populist?

Jakob Augstein sagte im »Freitag« vom 10.11.2016, Donald Trump sei ein Faschist. Die meisten deutschen Beobachter bevorzugten bislang das Epitheton Populist. Konrad Ege fand in der gleichen »Freitag«-Ausgabe die Bezeichnung »reaktionärer Demagoge«. Eigentlich komisch, dass das gute alte Wort »Demagoge«, das doch schon das gleiche sagte, nur schärfer, durch das zweischneidige, weich­gespülte Wort »Populist« verdrängt wurde. Aber zunächst zum Faschisten. Hat Augstein Recht? Ist Trump ein Faschist, ein Demagoge oder ein Populist? weiterlesen

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„Der Krieg gegen den Terror ist ein gerechter Krieg.“ Wirklich?

Die furchtbaren Mordtaten von Paris beschwören den „Krieg gegen den Terror“ wieder herauf, und erfahrungsgemäß wird dieser bald als „gerechter Krieg“ geheiligt werden. Auch die Kriege gegen Hitler, gegen Milosevic, gegen Saddam Hussein, gegen die Taliban und gegen Gaddafi waren ja „gerechte Kriege“. Als Pazifist bestreite ich das und sage: Menschen zu töten ist vielleicht im Einzelfall gerechtfertigt, aber es kann niemals gerecht sein. „Der Krieg gegen den Terror ist ein gerechter Krieg.“ Wirklich? weiterlesen

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